Bahamas

Wie man sich täuschen kann
Wir brauchen Sonne. Nicht weiter als 3-4 Flugstunden von New York. Außerhalb der USA. Aber ohne Zika. Bleiben nur die Bahamas. Ok.

Es ist sicherlich mit gemischten Gefühlen zu betrachten, wenn man bei der Aussicht auf einen Urlaub auf den Bahamas nicht sofort platzt vor Vorfreude. Ich habe mich selbst ein bisschen gewundert. Vielleicht war es das Unwissen über dieses Land, was mich hat zögern lassen bei der Wahl unseres nächsten Urlaubsziels in Euphorie auszubrechen, wurde es doch am Ende mehr oder weniger über ein Ausschlussverfahren auserkoren. Vielleicht waren es auch Vorurteile über die Karibik, wie: „All Inclusive Albtraum“ oder „Der Ballermann der Amis“. Ich hatte auf St. Lucia vor ein paar Jahren eigentlich schon festgestellt, dass diese Vorurteile keineswegs auf jeden Karibikstaat zutreffen müssen. Aber ich konnte einfach nicht die ausgeblichenen, wahrscheinlich 30 Jahre alten „DomRep“-Plakate des lokalen Reisebüroschaufensters aus meinem Kopf bekommen.

Bahamas 1

Zum Glück machten mir schon die ersten Satellitenbilder bei Google Maps klar, dass ich bald ganz andere Bilder von der Karibik im Kopfe haben sollte: Unglaubliche Wasserfarben strahlten mir entgegen! Ein Blau-Grün-Türkis-Mix wie er, laut Googles Landkarten-Service, so in der ganzen Karibik nicht zu finden war. Auch die Vielzahl an Inselgruppen und Inseln ( über 700!) hatte ich so nicht erwartet. Und richtig interessant wurde es dann, als Wikipedia mir zu verstehen gab, dass von den hunderten Inseln nur 30 bewohnt waren. Nicht, dass das bei einer Reise mit einem sehr kleinen Kind eine große Rolle spielen würde und man sich in Robinson Crusoe-Abenteuer stürzen könnte. Aber es nahm mir auf jeden Fall schon einmal das Vorurteil des überlaufenden Inselstaates.

Nach ausführlicher Recherche entschieden wir uns unseren 3 wöchigen Trip auf die Great Exuma, Eleuthera und Harbour Island aufzuteilen. Schon bei der Anreise nach Great Exuma machte ich die ersten Schnappschüsse mit der Handykamera aus dem Flugzeugfenster. Obwohl ich das nie mache! Aber es ging einfach nicht anders, ich traute einfach meinen Augen nicht, so paradiesisch sah das aus, was da unten auf uns wartete. Da wir mit Kind unterwegs waren, vermieden wir Hotelanlagen, wo wir im Zweifel auf ein einzige Zimmer angewiesen wären und ein Problem hätten, sobald die Kleine um 19:00 Uhr die Augen zu macht. Und wenn man für das Geld eines winzigen Hotelzimmers ein ganzes Haus bekommt, in dem man auch noch selbst kochen kann, ist ein Ferienhaus ein „No Brainer“.

Great Exuma

Das Haus war einfach gehalten, und lag leicht erhöht direkt an einem einsamen Strand. Und wenn ich sage einsam: Wir haben in einer Woche dort nur einen Spaziergänger gesehen! Obwohl wir auf einer der 5/6 populärsten Inseln waren, war selbst mitten am Tag an einem der berühmtesten Strände der Insel, 10 Minuten von unserem Haus entfernt, nichts los, bis auf 4-5 andere Gäste, womöglich vielleicht sogar nicht einmal Touristen. Es war unglaublich. Wie konnte an einem so paradiesischen Ort so wenig los sein? Was auf jeden Fall ein Grund war: Die Preise! Anreisen kann man sehr günstig, aber schöne Unterkünfte sind verdammt teuer und die Lebenshaltungskosten hoch.

Da die meisten Inseln, bis auf New Providence wo die Hauptstadt Nassau liegt, sehr dünn oder gar nicht besiedelt sind, ist ein Mietwagen hier unumgänglich. Allerdings muss man hier auf einiges gefasst sein. Es gibt nur lokale Vermieter, die die Autos so lange vermieten, bis sie ihren Geist aufgeben. Ein Ersatzreifen, bei dem man bereits das Innenleben von außen sehen konnte, war nur ein Moment, der uns an der Sicherheit unseres Urlaubsvehikels zweifeln ließ. Nur das Golf Cart später auf Harbour Island machte einen einigermaßen sicheren Eindruck.

Außer einem Speedboat-Ausflug zu den berühmten schwimmenden Schweinen, zu dem wir uns aus irgendeinem Grund genötigt fühlten, ließen wir es extrem ruhig angehen und machten maximal kurze Ausflüge mit unserer ticken Zeitbombe (Marke Suzuki) zu den laut Internet schönsten Stränden der Insel. Aber eigentlich war es egal, wo man an der Küste anhielt. Die Farben, die Temperatur, das glasklare Wasser, die Einsamkeit, es ging einfach nicht besser. Ich war mir sicher: Nach unzähligen Stränden die ich auf vielen Reisen zuvor schon erleben durfte, dies sollte alles übertreffen! Auch der Umstand, dass die meisten Strände extrem naturbelassen waren, ohne Gastronomie, ohne Liegen und Schirmchen, half dabei diesen Trip zu einem ganz besonderen werden zu lassen.

Nach einer Woche brachte uns ein kleiner, Propeller angetriebener Inselhüpfer auf die etwas mehr bevölkerte Insel „Elutherea“. Sie ist sehr langgezogen und extrem schmal, so dass manche Grundstücke von einer Küste zu anderen reichen, nur unterbrochen von der Hauptstraße die den Norden mit dem Süden verbindet. an einer Stelle trennt lediglich ein schmaler Damm mit einer zweispurigen Straße den dunkelblauen Atlantik vom türkis-grünen Karibikwasser.

Das Grundstück des Ferienhauses mündete ebenfalls in einen kleinen, einsamen Strand und im Haus konnte man die rauschende Brandung hören. Auch hier erkundeten wir hauptsächlich umliegende Strände zwischen selbst zubereiteten Mahlzeiten „with a view“. Teilweise erreichte man diese nur mit einem guten Allrad-Fahrzeug über kilometerlange Buckelpisten. Aber jedes Mal wusste man, dass je länger und anstrengender die Anreise ist, desto genialer sollte die Oase sein in der man endet. Schnorcheln, baden, unter ’ner Palme abhängen und picknicken. Unglaublich wie entspannt Urlaub sein kann, wenn man  nicht durch zahllose Attraktionen in der Umgebung ständig das Gefühl hat sich nicht auf die faule Haut legen zu dürfen.

Die letzten Tage verbrachten wir dann auf Harbour Island, vorgelagert im Nord-Osten von Eleuthera. Aus irgendeinem Grund waren wir bei der Planung der Meinung, wir bräuchten am Ende noch einmal etwas mehr Zivilisation, mit netten Restaurants und … Menschen und so. Wenn man das möchte, ist das „Sylt der Bahamas“ sicherlich nicht verkehrt, aber irgendwie vermissten wir dort unsere strandnahen Domizile mit keiner Menschenseele weit und breit. Warum wir diese „Zivilisation“ unbedingt brauchten am Ende des Trips (nach welchem es zurück ins nicht gerade bevölkerungsarme New York gehen sollte) war uns beiden nicht wirklich bewusst. Nichts desto trotz war es auch keine schlechte Wahl, denn Essengehen und leckeres Frühstück im lokalen Coffee-Shop hatten durchaus auch was für sich, nach 14 Tagen voller zahlreicher selbst gekochter Mahlzeiten. Aber wer vor hat Harbour Island auf einem Hopping durch die paradiesischen Bahamas mitzunehmen, dem würde ich es nicht unbedingt für das Ende der Reise empfehlen.

Selten habe ich mich in einem Reiseziel so getäuscht. Und vielleicht hat dieser Umstand durchaus dazu beigetragen, wie sensationell diese drei Wochen am Ende waren. Die Überraschung war einfach riesig: Statt überlaufender Ressort, traumhafte Ferienhäuser an einsamen Stränden. Statt langweiligen Katalogstränden, verlassene Buchten und unangetastete Archipelagos.

Aber das Paradies hat auch einen Preis. Denn dieser Trip ist auf jeden Fall in den TOP 2 meiner bisher kostspieligsten Reisen, neben der Antarktis. Aber egal ob in der Kälte des Südatlantiks oder der Wärme des Karibischen Meers, es war jeden Cent wert. Und einen Platz auf meiner Liste, auf die es nicht viele Reiseziele schaffen, ist den Bahamas sicher: Die Liste der Ziele zu denen ich unbedingt wieder zurückkehren möchte.

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